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Leistungstraining – Power für einen Kämpfer
Teil 1: Grundlagen
Welches Training benötigen wir, damit es die Kampfkunst förderlich unterstützt und was sollten wir eher nicht tun, um nicht eventuell einen nachteiligen Effekt zu erzielen?
Hierfür müssen zu allererst einige theoretische Dinge in Bezug auf die Physiologie des Körpers geklärt werden.
Ganz grob unterscheidet man zwischen fünf elementaren Bereichen, die durch Training verbessert werden können: der Ausdauer, der Kraft, der Schnelligkeit, der Koordination und der Beweglichkeit! Jede dieser Trainingsformen lässt sich weiter in einzelne Subkategorien untergliedern, welche hier der Vollständigkeit halber kurz erwähnt werden sollen.
1. Die Ausdauer unterteilt sich in die Grundlagenausdauer im GA1-Bereich, die Grundlagenausdauer im GA2-Bereich, in den Entwicklungsbereich und den Schwellenbereich.
2. Die Kraft wird untergliedert in die Maximalkraft, die Kraftausdauer, die Schnellkraft und die Reaktivkraft.
3. Die Schnelligkeit an sich ist zwar eine motorische Hauptbeanspruchungsform, setzt sich aber aus den konditionellen Fähigkeiten (Kraft, Ausdauer und Schnellkraft) und den koordinativen Fähigkeiten zusammen.
4. Die Koordinativen Fähigkeiten bestehen aus sieben unterschiedlichen Fähigkeiten, welche für die Kampfkunst von unterschiedlicher Relevanz sind.
5. Die Beweglichkeit hingegen stellt ein ganz eigenes Merkmal der sportlichen Leistung dar und setzt sich ebenfalls aus konditionellen und koordinativen Aspekten zusammen. Man unterscheidet in passive und aktive Beweglichkeit.
Um zu verstehen, warum es überhaupt zu einem Kraft- / Ausdauer- / etc. Zuwachs kommt, muss man ein wenig ausholen.
Jeder Körper ist daraufhin ausgerichtet, sein zellbiologisches Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Sprich, der Körper versucht ständig die Waage zu halten zwischen anabolen (aufbauende) und katabolen (abbauenden) Prozessen! Um nun eine trainingswirksame Beanspruchung zu setzen, bedient man sich der sogenannten Superkompensation. Sie ist eine Reaktion des Körpers auf einen überschwelligen Reiz, der zur Adaptation der bisherigen Leistungsfähigkeit führt. Mit anderen Worten, muss jedes Training, damit es die gewünschte Wirkung entfaltet, zu einer Störung der Homöostase (zellbiologisches Gleichgewicht) führen. Die gemeinhin angenommene Tatsache, dass Training eine anabole (aufbauende) Wirkung auf den Körper habe, ist schlichtweg falsch; es ist genau umgekehrt! Durch jede Art des überschwelligen Trainings, werden katabole (abbauende) Prozesse ausgelöst, welche der Körper durch eine Erhöhung der anabolen Stoffwechselvorgänge auszugleichen versucht, um so wieder seinen Gleichgewichtszustand herstellen zu können! Um es vereinfacht auszudrücken, ist jede Art des Trainings, sofern der Reiz groß genug ist (hierzu später), eine Schädigung des inneren Gleichgewichts des Körpers, aufgrund dessen dieser, aus einer Schutzmaßnahme heraus, über das ursprüngliche Ausgangsniveau hinaus aufbaut, um sich gegen eine neuerliche Belastung (Schädigung) in Zukunft besser wappnen zu können!!
Was ist nun ein überschwelliger Reiz? Hierzu benötigt man das oben bereits erwähnte Modell der Superkompensation. Jedes Training muss eine bestimmte Reizschwelle erreichen und überschreiten, welche den Körper soweit fordert, dass dieser in gewissem Sinne überlastet wird (Leerung der Phosphatspeicher, Laktatüberschwemmung, Erhöhung des momentanen Bewegungsradius, etc.). Man muss also immer ein Stück weiter gehen, als der Körper es bisher getan hat. Nur so werden die katabolen Prozesse ausgelöst, welche dann in der Regenerationsphase zu einer Erhöhung des Ausgangsniveaus führen. Der Körper stellt sich also darauf ein, dass er wahrscheinlich in Zukunft wieder belastet wird und sorgt vor. Das alles ist eine sehr vereinfachte und systematische Darstellung der Trainingslehre, um einen kleinen Einblick zu gewähren. Natürlich kommen unzählige andere Faktoren hinzu, die bei jedem Training beachtet werden müssen und in diesem Rahmen nur kurz angerissen werden sollen: Zeitpunkt des Trainings (Biorhythmus), Alter, Geschlecht, Trainingszustand, physiologische Voraussetzungen, Trainingszyklisierung und Planung, Einsatz von unterschiedlichen Trainingsmethodiken, Kontinuität, Belastungsdichte- und Dauer, gewählte Intensität, Variation der Reize, progressive Steigerung, Belastungs- und Erholungsrelation und Spezialisierung, um nur einige zu nennen!
In Teil 2 und 3 der Reihe Leistungstraining werde ich auf die einzelnen konditionellen Faktoren (Kraft, Ausdauer, usw.) eingehen und untersuchen, welche dieser Faktoren für die Kampfkunst von Relevanz sind und wie wir sie trainieren sollten. In Teil 4 werden die koordinativen Fähigkeiten und die Beweglichkeit behandelt, welche oft eine untergeordnete Rolle neben den konditionellen Faktoren einnehmen und deren Relevanz oft unterschätzt wird.
von David Arico

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