Schule der Kampfkünste | Info | Artikel | Siegen durch Nachgeben
Siegen durch Nachgeben
Was bedeutet es, durch Nachgeben den Sieg zu erringen? Zu allererst muss man sich über den doppelten Gehalt dieser Äußerung im Klaren sein. Zum einen ist hierunter sicherlich die Art des Kampfes zu verstehen, in der man sich der Kraft des Angreifers durch Nachgeben entledigt. Es handelt sich in diesem Fall also schon um eine direkt auf den Kampf bezogene Strategie. Zum anderen und dies soll Thematik des Artikels sein, geht es um das Siegen an sich, aus phänomenologischer Sicht betrachtet, und inwieweit dieses durch Nachgeben erreicht werden kann. Das sind zwei gänzlich unterschiedliche Thematiken, die so nicht viel miteinander gemein haben. Bei Ersterer handelt es sich um ein Kampfverhalten und bei Zweiterer um ein Kampfverhinderungsverhalten.
Hierfür stellt sich für uns natürlich zu allererst die Frage, was es denn überhaupt bedeutet zu "siegen"! Wie ist ein Sieg zu definieren; wann bin ich "Sieger"? Natürlich spielen hier die individuellen Vorstellungen eine entscheidende Rolle und sind somit auch nicht gänzlich wegzudenken. Dennoch sollte diese persönliche Ansicht noch einmal unter Berücksichtigung bestimmter Umstände neu betrachtet werden.
Die entscheidende Frage ist: "Habe ich mich bewusst und willentlich in eine Situation gebracht, in welcher ich von meiner Kampfkunst Gebrauch machen muss?". Dies wäre in einem sportlichen Vergleichskampf oder aber in einem Duellkampf der Fall! Hier liegt es mir eben gerade an der Erprobung und Messung meiner kämpferischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das Augenmerk liegt somit auf der willentlichen Aussetzung dieser konkreten Situation. Ganz anders geartet ist dies im Falle einer Selbstverteidigungshandlung! Hier bin ich unfreiwillig in eine Lage geraten, welche unter Umständen zu einer körperlichen Auseinandersetzung führen kann.
Ziel eines jeden Kampfkunsttreibenden sollte es sein, sich und seine Gesundheit als oberstes und wichtigstes Gut zu erkennen, welches es mit allen Mitteln zu schützen gilt. Gerade das Training des Kampfes schafft eine erweiterte Wahrnehmung im Bezug auf potentielle Gefahrenquellen und den damit verbundenen unberechenbaren Komponenten. Jeder Kampf, egal wie lange man trainiert, wird immer eine bestimmte Ungewissheit auf dessen Ausgang bestehen lassen. Egal wie viel man weiss und wieviel Kampferfahrung man hat, können dennoch unvorhergesehene Komponenten hinzutreten, die den Ausgang des Kampfes nachhaltig beeinflussen.
Aber zurück zu unserer Anfangs vorgenommenen Unterscheidung. Der Sieg ist aus dieser Betrachtungsweise nämlich unterschiedlich geartet. Im ersten Fall können die Bedingungen hierfür nämlich vereinbart werden oder sind aufgrund des Regelwerkes sowieso klar.
Im zweiten Fall jedoch nicht! Eine Selbstverteidigungssituation ist dadurch definiert, dass sie eben gerade nicht an bestimmte Regeln gebunden ist und nicht willentlich auftritt, was nicht heisst, dass sie unvorhergesehen sein muss. Denn selbst wenn ich mich wissentlich in Gefahr begebe, muss dies nicht unweigerlich bedeuten, dass es auch zu einer Selbstverteidigungssituation kommt oder ich dies will! Meine Handlung kann demnach zwar wissentlich stattfinden, aber niemals willentlich, denn sonst würde es sich um einen Duell- oder Wettkampf handeln.
Um nun hier von Sieg oder Niederlage sprechen zu können, müssen wir weiters festhalten, wann denn eine solche Situation beginnt. Wann fängt eine Selbstverteidigungssituation an und wann endet sie? Meist beginnt sie um einiges früher als wir glauben mögen. Bereits der erste Blickkontakt oder die ersten nonverbalen Körpergestiken können Anhaltspunkte darüber liefern, dass sich eine solche Situation anbahnt. Manche Selbstverteidigungssituationen beginnen sogar noch sehr viel früher.
Wie kann ich nun in so einem Fall als Sieger hervorgehen? Ich fasse zusammen: Ich befinde mich in einer Situation, welche ich nicht willentlich hervorgerufen habe, deren Regeln mir unbekannt sind und das einzige mir bekannte Element an dieser Stelle sind meine eigenen Fertigkeiten.
Und genau hier siege ich durch Nachgeben!
Das ist es, was einen Meister seiner Kunst auszeichnet. Er weiss Bescheid um das höchste zu schützende Gut in der Kampfkunst, nämlich seiner eigenen Gesundheit; alles andere ist nachrangig!
Mag ich noch so gut sein und noch soviel Kampferfahrung haben, werde ich dennoch nie alle Komponenten einer Situation vorhersehen können. Daher muss meine oberste Intention immer an einer Vermeidung oder Deeskalation einer solchen Situation liegen. Nichtsdestotrotz brauche ich das absolute Vertrauen in mein Können um im Notfall einen Orkan entfesseln zu können! Ist der Weg des Nachgebens nämlich versperrt und stehen sich die Truppen bereits an der Schlachtlinie gegenüber, darf ich nicht mehr zögern!
Sun Tzu ("Die Kunst des Krieges") sagt: "Derjenige, der den Kampfschauplatz zuerst erreicht, wird immer besser vorbereitet sein auf den Kampf als jener, der ihn als Zweiter erreicht!" Und in einer Selbstverteidigungssituation kann man sagen, dass wir immer diejenigen sind, welche als Zweiter ankommen. Unser Gegner erreicht nicht nur das Schlachtfeld zuerst, er bestimmt auch den Ort und Zeitpunkt der Schlacht. Außerdem hat er seine Truppen bereits in strategische Positionen gebracht und hat zudem das Moment der Überraschung auf seiner Seite. Alles in allem nicht gerade gute Karten für uns. Weiters sagt Sun Tzu, dass ein intelligenter Kämpfer dem Gegner seinen Willen eindrucksvoll aufzwingt und auch das ist in so einer Situation meist der Fall. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass, sollten wir den Kampf wählen, dies unvermittelt und überraschend machen und nicht zögerlich handeln. Ich muss erkennen, wann die Zeit des Redens vorbei ist und das möglichst schneller als mein Gegner! Dennoch ist meine oberste Priorität zu siegen, indem ich dem Gegner aus dem Weg gehe, denn zu viele Komponenten sprechen für seinen strategischen Vorteil. Und selbst wenn ich physisch als Sieger hervorgehen würde, was genau würde mir dieser Sieg bringen, verglichen mit dem sinnlosen Risiko, dass ich auf mich nehme?
Eine Befriedigung meines Egos, die ich streng genommen eigentlich nur brauche, weil ich mein Selbstwertgefühl als untergraben sehe und ich nicht im Reinen bin mit mir und meinen Vorstellungen. Aber verglichen mit der Möglichkeit, dass mein Gegner plötzlich ein Messer in der Hand hält, sollte mich diese kleine Kränkung meines Egos unbekümmert lassen.
Hier ist der einzig wahrliche Sieg jener des Nachgebens.
Natürlich kann es zu Situationen kommen, in welchen ein Nachgeben nicht möglich ist, aber auch dann verhalte ich mich nach dem selben Muster: Meine Gesundheit ist oberstes Gut, im Notfall auch auf Kosten des anderen der dieses Gut bedroht! Ein Sieg ist also schlussendlich als sicherste Möglichkeit zur Aufrechterhaltung meiner Gesundheit zu definieren! Auf die eine oder andere Weise!
von David Arico
Was bedeutet es, durch Nachgeben den Sieg zu erringen? Zu allererst muss man sich über den doppelten Gehalt dieser Äußerung im Klaren sein. Zum einen ist hierunter sicherlich die Art des Kampfes zu verstehen, in der man sich der Kraft des Angreifers durch Nachgeben entledigt. Es handelt sich in diesem Fall also schon um eine direkt auf den Kampf bezogene Strategie. Zum anderen und dies soll Thematik des Artikels sein, geht es um das Siegen an sich, aus phänomenologischer Sicht betrachtet, und inwieweit dieses durch Nachgeben erreicht werden kann. Das sind zwei gänzlich unterschiedliche Thematiken, die so nicht viel miteinander gemein haben. Bei Ersterer handelt es sich um ein Kampfverhalten und bei Zweiterer um ein Kampfverhinderungsverhalten.
Hierfür stellt sich für uns natürlich zu allererst die Frage, was es denn überhaupt bedeutet zu "siegen"! Wie ist ein Sieg zu definieren; wann bin ich "Sieger"? Natürlich spielen hier die individuellen Vorstellungen eine entscheidende Rolle und sind somit auch nicht gänzlich wegzudenken. Dennoch sollte diese persönliche Ansicht noch einmal unter Berücksichtigung bestimmter Umstände neu betrachtet werden.
Die entscheidende Frage ist: "Habe ich mich bewusst und willentlich in eine Situation gebracht, in welcher ich von meiner Kampfkunst Gebrauch machen muss?". Dies wäre in einem sportlichen Vergleichskampf oder aber in einem Duellkampf der Fall! Hier liegt es mir eben gerade an der Erprobung und Messung meiner kämpferischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das Augenmerk liegt somit auf der willentlichen Aussetzung dieser konkreten Situation. Ganz anders geartet ist dies im Falle einer Selbstverteidigungshandlung! Hier bin ich unfreiwillig in eine Lage geraten, welche unter Umständen zu einer körperlichen Auseinandersetzung führen kann.
Ziel eines jeden Kampfkunsttreibenden sollte es sein, sich und seine Gesundheit als oberstes und wichtigstes Gut zu erkennen, welches es mit allen Mitteln zu schützen gilt. Gerade das Training des Kampfes schafft eine erweiterte Wahrnehmung im Bezug auf potentielle Gefahrenquellen und den damit verbundenen unberechenbaren Komponenten. Jeder Kampf, egal wie lange man trainiert, wird immer eine bestimmte Ungewissheit auf dessen Ausgang bestehen lassen. Egal wie viel man weiss und wieviel Kampferfahrung man hat, können dennoch unvorhergesehene Komponenten hinzutreten, die den Ausgang des Kampfes nachhaltig beeinflussen.
Aber zurück zu unserer Anfangs vorgenommenen Unterscheidung. Der Sieg ist aus dieser Betrachtungsweise nämlich unterschiedlich geartet. Im ersten Fall können die Bedingungen hierfür nämlich vereinbart werden oder sind aufgrund des Regelwerkes sowieso klar.
Im zweiten Fall jedoch nicht! Eine Selbstverteidigungssituation ist dadurch definiert, dass sie eben gerade nicht an bestimmte Regeln gebunden ist und nicht willentlich auftritt, was nicht heisst, dass sie unvorhergesehen sein muss. Denn selbst wenn ich mich wissentlich in Gefahr begebe, muss dies nicht unweigerlich bedeuten, dass es auch zu einer Selbstverteidigungssituation kommt oder ich dies will! Meine Handlung kann demnach zwar wissentlich stattfinden, aber niemals willentlich, denn sonst würde es sich um einen Duell- oder Wettkampf handeln.
Um nun hier von Sieg oder Niederlage sprechen zu können, müssen wir weiters festhalten, wann denn eine solche Situation beginnt. Wann fängt eine Selbstverteidigungssituation an und wann endet sie? Meist beginnt sie um einiges früher als wir glauben mögen. Bereits der erste Blickkontakt oder die ersten nonverbalen Körpergestiken können Anhaltspunkte darüber liefern, dass sich eine solche Situation anbahnt. Manche Selbstverteidigungssituationen beginnen sogar noch sehr viel früher.
Wie kann ich nun in so einem Fall als Sieger hervorgehen? Ich fasse zusammen: Ich befinde mich in einer Situation, welche ich nicht willentlich hervorgerufen habe, deren Regeln mir unbekannt sind und das einzige mir bekannte Element an dieser Stelle sind meine eigenen Fertigkeiten.
Und genau hier siege ich durch Nachgeben!
Das ist es, was einen Meister seiner Kunst auszeichnet. Er weiss Bescheid um das höchste zu schützende Gut in der Kampfkunst, nämlich seiner eigenen Gesundheit; alles andere ist nachrangig!
Mag ich noch so gut sein und noch soviel Kampferfahrung haben, werde ich dennoch nie alle Komponenten einer Situation vorhersehen können. Daher muss meine oberste Intention immer an einer Vermeidung oder Deeskalation einer solchen Situation liegen. Nichtsdestotrotz brauche ich das absolute Vertrauen in mein Können um im Notfall einen Orkan entfesseln zu können! Ist der Weg des Nachgebens nämlich versperrt und stehen sich die Truppen bereits an der Schlachtlinie gegenüber, darf ich nicht mehr zögern!
Sun Tzu ("Die Kunst des Krieges") sagt: "Derjenige, der den Kampfschauplatz zuerst erreicht, wird immer besser vorbereitet sein auf den Kampf als jener, der ihn als Zweiter erreicht!" Und in einer Selbstverteidigungssituation kann man sagen, dass wir immer diejenigen sind, welche als Zweiter ankommen. Unser Gegner erreicht nicht nur das Schlachtfeld zuerst, er bestimmt auch den Ort und Zeitpunkt der Schlacht. Außerdem hat er seine Truppen bereits in strategische Positionen gebracht und hat zudem das Moment der Überraschung auf seiner Seite. Alles in allem nicht gerade gute Karten für uns. Weiters sagt Sun Tzu, dass ein intelligenter Kämpfer dem Gegner seinen Willen eindrucksvoll aufzwingt und auch das ist in so einer Situation meist der Fall. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass, sollten wir den Kampf wählen, dies unvermittelt und überraschend machen und nicht zögerlich handeln. Ich muss erkennen, wann die Zeit des Redens vorbei ist und das möglichst schneller als mein Gegner! Dennoch ist meine oberste Priorität zu siegen, indem ich dem Gegner aus dem Weg gehe, denn zu viele Komponenten sprechen für seinen strategischen Vorteil. Und selbst wenn ich physisch als Sieger hervorgehen würde, was genau würde mir dieser Sieg bringen, verglichen mit dem sinnlosen Risiko, dass ich auf mich nehme?
Eine Befriedigung meines Egos, die ich streng genommen eigentlich nur brauche, weil ich mein Selbstwertgefühl als untergraben sehe und ich nicht im Reinen bin mit mir und meinen Vorstellungen. Aber verglichen mit der Möglichkeit, dass mein Gegner plötzlich ein Messer in der Hand hält, sollte mich diese kleine Kränkung meines Egos unbekümmert lassen.
Hier ist der einzig wahrliche Sieg jener des Nachgebens.
Natürlich kann es zu Situationen kommen, in welchen ein Nachgeben nicht möglich ist, aber auch dann verhalte ich mich nach dem selben Muster: Meine Gesundheit ist oberstes Gut, im Notfall auch auf Kosten des anderen der dieses Gut bedroht! Ein Sieg ist also schlussendlich als sicherste Möglichkeit zur Aufrechterhaltung meiner Gesundheit zu definieren! Auf die eine oder andere Weise!
von David Arico

__938659723.jpg)
__072092572.jpg)


